Die Rechte queerer Menschen sind nicht verhandelbar!

Pressemitteilung zum IDAHOBIT 2020

Am 17. Mai 2020 wird der Internationale Tag gegen Homo-, Bi- und Trans*feindlichkeit (IDAHOBIT) begangen. Ein Tag der mahnt, dass Diskriminierung, Ausgrenzung, Mobbing bis hin zu psychischer und physischer Gewalt nach wie vor das Leben vieler Lesben, Schwuler, Bisexueller, Trans*, Inter* oder queerer Menschen betrifft.

Im Vorfeld dazu wird heute am 15. Mai 2020 die Regenbogenflagge im Innenhof des Brandenburger Landtages gehisst um gemeinsam ein Zeichen gegen Gewalt und Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und/oder geschlechtlichen Identität zu setzen. Seit 2016 gibt es jährlich um den 17. Mai diese Veranstaltung und es ist erfreulich zu sehen, dass die Tradition auch in der neuen Legislaturperiode fortgeführt wird, auch wenn diese Flaggenhissung coronabedingt eher ungewöhnlich daherkommt. Wie das gesellschaftliche Leben insgesamt, hat auch queeres Leben in den Wochen seit Ausbruch der Pandemie Schockwellen verkraften müssen, die das gewohnte Leben empfindlich treffen. Die Erkenntnisse aus der queeren Beratungsarbeit im Landesverband bringen es ans Licht. Wie ein Brennspiegel verschärft die Krise latent problematische Lebenssituationen, und der Leidensdruck steigt mitunter dramatisch. Einsamkeit und Isolation, als häufige Belastung queerer Menschen steigert sich durch die äußeren Bedingungen ins Unerträgliche. Beziehungen werden auf die Probe gestellt, Trans*Personen durch technisches Unvermögen zwangsgeoutet und Vorfälle psychischer und physischer Gewalt nehmen langsam aber signifikant zu.

Lars Bergmann, Projektleiter im Landesverband AndersARTiG erklärt hierzu:
Die in der momentanen Krisensituation bestehenden Beschränkungen sind für große Teile der Bevölkerung eine beispiellose Belastungsprobe. Wir beobachten sehr genau, welche besonderen Härten sich daraus für queere Menschen ergeben und wie wir diese mildern und abfedern können. Wir registrieren aber auch sehr genau, an welchen Stellen im Windschatten der Krise Rechte und Gleichberechtigung in Frage gestellt werden, obwohl sie nicht durch die Krise bedingt sind. Hier gilt es entschlossen gegenzuhalten. Für uns ist das Engagement gegen Hass, Gewalt und Diskriminierung – für die Gleichberechtigung aller Formen sexueller und geschlechtlicher Vielfalt gleichbedeutend mit der Verwirklichung fundamentaler Menschenrechte. Die Rechte von LSBTIQ-Menschen sind nicht verhandelbar, auch nicht in der Corona-Krise. Das Engagement queerer Vereine und Gruppen ist gerade in Krisenzeiten für eine offene, demokratische Gesellschaft dauerhaft systemrelevant.

Nadine Bochert-Apfelbacher, Projektleiterin „Bildung unterm Regenbogen" erklärt:
Der Internationale Tag gegen Homo-, Bi- und Trans*phobie verdeutlicht, dass der gemeinsame Kampf gegen Diskriminierung und Ausgrenzung weitergeführt werden muss. Sensibilisierungsworkshops und Antidiskriminierungsprojekte zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt für Jugendliche sowie Lehr- und Fachkräfte in der Schule und Jugendhilfe leisten hierzu einen wichtigen Beitrag. Die Corona-Pandemie fordert uns heraus, neue Wege zu beschreiten, um die Sichtbarkeit von LSBTIQ-Menschen im Kontext des Bildungssystems zu bewahren und voranzutreiben und Schule auch in Zeiten der Krise zu einem angstfreien und diskriminierungsarmen Erfahrungsraum zu gestalten. Queere Bildungsarbeit ist und bleibt eine notwendige und auf Dauer systemrelevante Schlüsselaufgabe, um queere Jugendliche in der Schule in ihrer Entwicklung zu bestärken und zu unterstützen. Auch wenn der Handlungsdruck und die Herausforderungen für die Schulen nun coronabedingt steigen, ist queere Bildungsarbeit ein unverzichtbarer Bestandteil eines demokratischen Schulsystems und darf nicht unter die Räder der Krisenbewältigung geraten.

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